Newsletter Nr. 25 zur Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Liebe Freundinnen und Freunde des Friedens,
vom 13.-15.2.2026 wird die 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) stattfinden. Vor fast genau einem Jahr hat der US-amerikanische Außenminister Vance im Bayerischen Hof eine – vorsichtig formuliert – kontroverse Rede gehalten. Es wird inzwischen mehr als deutlich, dass die US-Administration mit allen Mitteln an der unipolaren Weltordnung festhalten wollen. Beziehungen zu langjährigen „Partnern und Freunden“ in Europa und im direkten Umfeld (insbesondere Kanada) werden in Frage gestellt. Internationales Recht spielt bei der (oft gewaltsamen) Durchsetzung von US-Interessen so gut wie keine Rolle mehr. Es wird gedroht und erpresst, egal, ob es sich um NATO-Bündnispartner oder um Venezuela und den Iran handelt. Während in Caracas bereits militärisch vorgegangen wurde, und ein militärisches Eingreifen im Iran nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint, ist die EU noch mal mit einem „blauen Auge“ davongekommen. US-Präsident Trump hat es sich aber nicht nehmen lassen, Dänemark und somit der EU mit dem Einsatz von Militär zu drohen („military force is always an option“), sollte aus Sicht der USA kein akzeptabler „Deal“ zu Grönland abgeschlossen werden können. Keine gute Perspektive für die kommenden drei Jahre.
Russland setzt den völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine fort. Die Angriffe auf die Energie-Infrastruktur machen der Ukraine zu schaffen. Der harte Winter trägt zur Verschlechterung der Lebensumstände vieler UkrainerInnen bei. Trump hat die Zwischenwahlen im November im Blick und will den Krieg möglichst bis zum Sommer beenden. Derzeitiger Ansatz: Den Druck auf die Ukraine erhöhen, sich auf die Forderungen Moskaus nach Gebietsabtretungen einzulassen. Weiterhin völlig ungeklärt bleiben die Punkte Sicherheitsgarantieren für die Ukraine, die Einrichtung von entmilitarisierten Pufferzonen, aber auch der Umgang mit dem Atomkraftwerk Saporischschja. Es sieht trotz derzeit stattfindender Gespräche nach wie vor nicht nach einem baldigen Ende dieses Krieges aus.
Der Krieg in Israel/Palästina hat auf Seiten der Palästinenser zu besonders hohen Opferzahlen und massiver Zerstörung geführt. Die US-Administration hat vor einigen Monaten einen Waffenstillstand ausgehandelt, der insbesondere von Israel eher schlecht als recht eingehalten wird. Es gibt weiterhin fast täglich Tote in Gaza. Die USA haben eine Art Wiederaufbauplan für Gaza präsentiert, bei dem die PalästinerInnen allerdings so gut wie keine Rolle spielen.
Die EU ist auf internationaler diplomatischer Bühne weiterhin weitgehend unsichtbar. Das hat vor allem mit der Rolle zu tun, die ihr von den USA „zugeteilt“ wurde. Bleibt zu hoffen, dass sich die EU – und damit auch Deutschland – zukünftig mehr für Ausgleich und Konfliktlösung und weniger für Aufrüstung und Militarisierung einsetzt. Die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat allerdings kürzlich erneut den Aufbau einer EU-Armee ins Spiel gebracht. Sie setzt Kurs auf die „Vereinigten Staaten von Europa“, um international eine größere Rolle spielen zu können. Für den Frieden in Europa verheißt das nichts Gutes.
Nach wie vor ist nicht klar, wann Jens Stoltenberg die Leitung der MSC übernehmen wird. Übergangsweise wird daher Wolfgang Ischinger wieder diese Position ausfüllen.
Das MSC-Wochenende wird sich vor allem um die „Regelbasierte internationale Ordnung“, Multilateralismus und die transatlantischen Beziehungen drehen. Die Mission der MSC lautet „Frieden durch Dialog“. Leider gerät diese Mission immer mal wieder in Vergessenheit: Während VertreterInnen der iranischen Regierung wieder ausgeladen wurden, hat der Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, der zuletzt 1978 iranischen Boden betreten hat, eine Einladung erhalten. Nach letzten Pressemeldungen wird er an der MSC 2026 teilnehmen.
Matthias Linnemann, Co-Vorstand MSKv
Rund um die Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Infos zu Veranstaltungen der Friedensbewegung, den Aktivitäten unseres Vereins auf der MSC 2026 und zu unserer aktuellen Projektzeitung finden Sie unter diesem Link
19.09.25: Denkmail Nr. 47 – Gewaltfreie Verteidigung ist wirksam
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
die Bundesregierung hat sich gleich für ihren Start die „Lizenz für Verschuldung“ gezimmert. Wehrpflicht, Rüstungsausgaben bis zu 5 % (!) des von den Menschen im Land erwirtschafteten Gelder und Reichweitendrohungen der Waffen bestimmen die Diskussion. Und es ist wahr: Die Angst vor weiterer Eskalation ist real – und verständlich. Und leicht greift das Narrativ der Aufrüstung als einzig logische Antwort. Und doch spüren viele: Wirklich gut fühlt sich das nicht an.
Friedenskongress zeigt: Gewaltfreie Verteidigung ist wirksam – und begeistert Menschen
Über Ostern dieses Jahres fand in Deutschland der Onlinekongress „Frieden ist möglich“ mit über 6000 Teilnehmenden statt. Absicht war es, über die klassische Friedensbewegung hinaus, Menschen zu erreichen und zu zeigen: Gewaltfreie Alternativen zu militärischer Aufrüstung existieren, sie sind erprobt und wirksam.
Und tatsächlich ist das gelungen. Die Veranstaltungen stießen auf enormes Interesse und daraus entstanden lebendige Resonanz, Mut und Aufbruchsstimmung. Vielen wurde erstmals oder wieder deutlich: Sicherheit kann auch durch zivile, gewaltfreie Strategien entstehen – und sie wirkt. Das zeigten u.a. Betty Bigombe, ugandische Ministerin, und die gewaltfreie israelisch-palästinensische Kampagne Combatants for Peace.
Was diesen Kongress so kraftvoll machte, war der weite Bogen, den er spannte – von internationaler Politik über konkrete Friedensarbeit bis hin zum Bewusstsein eines persönlichen inneren Friedens. Politische Diskussionen und die internationale Diplomatie bleiben oft abstrakt. Der Wunsch nach tragfähigen Alternativen zur militärischen Logik ist groß. Wenn sich Menschen selbst als handlungsfähig erleben, zeigt sich, dass es nicht nur die Wahl zwischen kraftloser Passivität oder militärischem Handeln gibt. Lesen Sie gerne nach auf https://friedenistmoeglich.de/
Die gesellschaftliche Offenheit für diese Perspektive ist da – sie wartet darauf, politisch aufgenommen zu werden. Im internationalen Munich Peace Meeting von MSKv in diesem Oktober wird das aus der Perspektive und Expertise von 50 Friedensaktiven aus 21 Ländern aufgegriffen und mit der Münchner Sicherheitskonferenz besprochen. Frieden ist kein Zustand – er ist eine Entscheidung. Machen Sie mit?
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Rothaupt
Gastautor MSKv
07.06.25: Denkmail Nr. 46 zur Stationierung von Mittelstreckenwaffen in Deutschland (Berliner Appell)
Neue US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland?
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
vor einem Jahr hat der damalige Bundeskanzler Scholz ganz lapidar mitgeteilt, dass die deutsche und die US-Regierung bilateral vereinbart haben, dass die Amerikaner ab 2026 nur in Deutschland neue Mittelstreckenraketen stationieren werden.
Es handelt sich dabei um Angriffswaffen der Typen Standard Missiles (SM-6), Marschflugkörper (Tomahawk) und Hyperschallwaffen (Dark Eagle, 17-fache Schallgeschwindigkeit), Reichweiten 1700 km bis zu 2800 km, konventionelle Sprengsätze, aber prinzipiell auch nuklear ausrüstbar, unter der alleinigen Befehlsgewalt der USA. Die Planung hierzu begann 2017, also lange vor dem Ukrainekrieg.
2019 haben die USA den Ausstieg aus dem bestehenden INF-Vertrag erklärt mit der Begründung einer angeblichen Fähigkeitslücke. Die geplante Stationierung ist nicht mit einem Abrüstungsangebot gekoppelt.
Aufgrund der Fähigkeiten dieser Waffen (extrem kurze Vorwarnzeiten) und der Nähe zu Russland stellt dieser Schritt eine gefährliche Eskalation der Rüstungsspirale und eine ungeheure Bedrohung vor allem Russlands dar. In einer gemeinsamen Erklärung der Präsidenten Putin (Russland) und Xi (China) vom 4.2.2022 wird deshalb von der Gefahr eines „Enthauptungsschlages“ gesprochen, die hiervon ausgehe. Das bedeutet auch für Deutschland eine unkalkulierbare Bedrohung. Dr. Erich Vad, Brigadegeneral a.D., sagt deshalb: „Die Stationierungsvereinbarung ist aus deutscher und europäischer Sicht nicht akzeptabel.“
Da nicht einmal im Bundestag über diese gigantische Aufrüstung beraten oder gar ein Beschluss gefasst wurde, eine Mehrheit in Deutschland die Stationierung ablehnt (Forsa-Umfrage) und der entsprechende Berliner Appell bis jetzt von 60.000 Menschen unterzeichnet wurde, muss eine breite öffentliche Diskussion über diese bedrohliche Maßnahme mit allen ihren Implikationen geführt werden.
Wenn die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) wirklich ein offenes Forum für alle Fragen der Sicherheit sein will, muss unbedingt dort in einem breiten Rahmen mit ausgewiesenen Fachleuten aus Wissenschaft, Politik, Friedensarbeit, Bürgerräten und auch erfahrenen Militärs (Erich Vad, Harald Kujat, Wolfgang Richter) darüber diskutiert werden! Und bitte nicht nur die durch die Medien sattsam bekannten, kriegslogisch argumentierenden Talkshowgeübten wie Carlo Masala, Klaus Mölling, Claudia Major oder Nicole Deitelhoff einladen!
Was meinen Sie dazu? Wir freuen uns über Ihre Sichtweise!
Mit friedvollen Grüßen
Erwin Schelbert
Hier finden Sie unsere älteren Denkmails
Denk-Mail Nr. 32 vom 01.09.2021
(Autorin: Gudrun Haas)
Den Kreislauf der Konfrontation unterbrechen und Sicherheit neu denken
PDF-Dokument [600.5 KB]
Denk-Mail Nr. 31 vom 13.06.2021
(Autor: Erwin Schelbert)
Das Friedensgutachten 2021 „Europa kann mehr“ und die Münchner Sicherheitskonferenz
PDF-Dokument [608.8 KB]
Denk-Mail Nr. 30 vom 12.10.2020
(Autor: Ralf Becker)
Realpolitik gestalten – Orientierung bieten.
Gelungene Dialogveranstaltung mit der MSC
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Denk-Mail Nr. 29 vom 17.07.2020
(Autor: Thomas Rödl)
Bombenstimmung – Kalter Krieg – Neues Wettrüsten:
Ein Memorandum
PDF-Dokument [464.6 KB]
Denk-Mail Nr. 28 vom 11.05.2020
(Autor: Erwin Schelbert)
Sicherheit – nicht nur in Corona-Zeiten
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Denk-Mail Nr. 27 vom 20.12.2019
(Autorin: Mechthild Schreiber)
NATO hirntot oder hirnlos?
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Denk-Mail Nr. 26 vom 26.07.2019
(Autor: Wolfram Rohde-Liebenau)
Trumps Sicherheitspolitik bedroht den Weltfrieden
PDF-Dokument [210.2 KB]
Denk-Mail Nr. 25 vom 01.07.2019
(Autor: Erwin Schelbert)
Das neue Friedensgutachten 2019: „Vorwärts in die Vergangenheit? Frieden braucht Partner“
PDF-Dokument [356.4 KB]
Denk-Mail Nr. 24 vom 27.11.2018
(Autor: Erwin Schelbert)
„Welt in Gefahr“, das Buch von Wolfgang Ischinger
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Denk-Mail Nr. 23 vom 18.10.2018
(Autor: Ralf Becker)
„Sicherheit neu denken – von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik“
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Denk-Mail Nr. 22 vom 10.07.2018
(Autor: Erwin Schelbert)
„Kriege ohne Ende. Mehr Diplomatie – weniger Rüstungsexporte: Das neue Friedensgutachten 2018″
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Denk-Mail Nr. 21 vom 19.03.2018
(Autorin: Anja Ufermann)
„Nukleare Aufrüstung“
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Denk-Mail Nr. 20 vom 22.01.2018
(Autor: Erwin Schelbert)
„Aufrüstung oder Friedenslogik“
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Denk-Mail Nr. 19 vom 16.11.2017
(Autor: Erwin Schelbert)
„Atomwaffenverbot“
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Denk-Mail Nr. 18 vom 01.09.2017
(Autor: Thomas Mohr)
„Finanzierung der MSC durch das Außenministerium!“
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Denk-Mail Nr. 17 vom 01.06.2017
(Autor: Erwin Schelbert)
„Weitere Aufrüstung in Deutschland und weltweit?“
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Denk-Mail Nr. 16 vom 09.01.2017
(Autorin: Anja Ufermann)
„Gewaltfreie Kommunikation als Side-Event auf der
Münchner Sicherheitskonferenz: Neue Perspektiven für Konfliktlösungen“
Denk-Mail Nr. 15 vom 11.09.2016
(Autorin: Gudrun Haas)
„Wirtschaftliche Kooperation in Eurasien statt Konfronta-tionskurs“
Denk-Mail Nr. 14 vom 16.06.2016
(Autor: Erwin Schelbert)
„Friedensgutachten auf der Sicherheitskonferenz diskutie-ren“
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